Gehirndoping in der Schule mit Ritalin und Modafinil

(Foto von Noukka Signe)
Schüler haben es heutzutage nicht leicht.
Da ich selbst noch nicht allzulange aus der Schule raus bin, weiß ich selbt genau, wie man sich als Schüler fühlt und mit welchen Strapazen der tägliche Schultag gesäht ist.
Wenn man noch dazu ein Schulsystem hat, das den Schüler nur nach Leistung beurteilt, weiß man früh um die Kondition auf Leistungserbringung. In der Schule lernt man eben nicht fürs Leben, sondern für eine auf Leistung und Pflichterfüllung ausgerichteten Gesellschaft.
Es zählt nur der NC
Wenn es dann später um den Studienplatz geht, zählt in den meisten Fällen nur der NC (Numerus Clausus) des jeweiligen Schülers. Andere Auswahlfaktoren wie persönliche Eignung des Studenten für dieses Fach, oder vorherige Screenings, in denen der Student getestet wird, ob er dieses Fach auch wirklich studieren will, gibt es nicht.
Stipendien erhalten nicht etwa die, die es vielleicht wirklich gebrauchen könnten, sondern die Schüler oder Studenten, die sich durch ausgewöhnliche Leistung hervortun. Die Erwartung derjenigen, die das Stipendium bezahlen, ist auch hier oft an die zukünftige gewinnbringende Bedingung Zusammenarbeit mit dem Studenten geknüpft.
“Wenn ich ihn schon bezahle, dann soll mir das auch später etwas bringen!”
Leistungssteigernde Medikamente für Schüler
Viele Schüler greifen deshalb heute schon zu Pillen oder Medikamenten, die die mentale Leistungsfähigkeit und kognitiven Fähigkeiten erhöhen. Der Mensch passt sich an seine Umgebung an, und nur derjenige der am besten angepasst ist, wird sich auch durchsetzen. Wer sich eben schlecht konzentrieren kann, hat die Wahl:
Nehme ich nun eine Pille und bin schlagartig fokussiert und super konzentriert und kann das schaffen, was ich mir vorgenommen habe und was von mir erwartet wird, oder lasse ich es und mache mir extra Stress.
Beim Lernen wird mit Gedächtnisboostern und Gehirndoping nachgeholfen, mit dem einzigen Ziel noch mehr Lernstoff in noch kürzerer Zeit im Gehirn zu speichern. Wir leben in einer auf Effektivität und Effizienz getrimmten Gesellschaft.
Die Drogen von heute lassen dich keine Glücksgefühle erleben und erweitern auch nicht deine Wahrnehmung, sondern lassen dich einfach nur funktionieren und zwar zuverlässig und zielorientiert.
Studien zum Thema Gehirndoping Schule?
Momentan gibt es nur eine aussagekräftige Studie, die das Neuro-Enhancement bei Studenten quantifiziert. Jedoch dürfte auch der Verbrauch an Medikamenten wie Rialin und Co. bei Schülern in den letzten Jahren stark gestiegen sein.
Diese Entwicklungen sind natürlich nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern auch schulpolitisch zu verstehen. Als vor einigen Jahren in Deutschland das G8 eingeführt wurde und sich die Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre verkürzte, hat dies natürlich seine Folgen gehabt.
Fatale Auswirkungen, die von den gebildeten und auf Leistung ausgerichteten Schulreformern in ihrer Kurzsichtigkeit übersehen wurden.
Was sind die Folgen dieser Reform?
Die Folgen sind:
- Eine höhere Belastung des Schülers
- Die Entstehung von Stresskrankheiten und vermehrte Burn-Out ähnliche Zustände
- Eine steigende Anzahl an depressivem Verhalten (Stress verursacht Depressionen)
Nicht nur die Schüler leiden unter diesen Maßnahmen zur Anpassung an Europäische Verhältnisse und zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt von heute, sondern auch die Lehrer und Eltern. Der Faktor “gestresster Schüler” wirkt sich auf die Lehrer aus, die noch gestresster werden, worunter möglicherweise der Unterricht leidet.
Die Eltern auf der anderen Seite, können ihren Kindern oft nicht mehr wirklich helfen, bringen vielleicht noch mehr Zeit auf für Hausaufgabenhilfe, oder müssen mehr Geld ausgeben für Nachhilfe.
Gehirndoping ist deswegen nicht nur ein Thema für Studenten oder gestresste Manager, sondern zieht sich durch alle Schichten.